“Miro-NDR-Player” heißt die wunderschöne Datei. In den 24 MB steckt: Der NDR Miro Player. (Kleinen Tusch jetzt bitte beim Lesen dazudenken.) Kurz und knapp: Der NDR wagt sich etwas in die Open-Source-Welt und bietet eine maßgeschneiderte Version der Miro-Plattform an (Download NDR Miro Player). Aus dem begleitenden Mini-Dossier:
Ab sofort bringt der NDR Miro Player alle Audio- und Videopodcasts des NDR auf die heimische Festplatte. Die Open-Source-Software ist eine maßgeschneiderte Version der populären Multimedia-Anwendung Miro, bei der die NDR Inhalte schon voreingestellt sind. Außerdem ist in die spezielle Edition ein Programmführer integriert, der die NDR Inhalte präsentiert. Der NDR Miro Player kann kostenlos heruntergeladen werden.
Aus der offiziellen Presse-Erklärung:
“Der NDR als öffentlich-rechtlicher Sender ist in hohem Maße interessiert daran, dass unsere Inhalte im Internet auch über freie, nicht-kommerzielle Plattformen angeboten werden”, so Joachim Knuth, Programmdirektor Hörfunk des NDR. “Wir freuen uns, dass unseren Gebührenzahlern nun mit dem NDR Miro Player zugleich eine besonders nutzerfreundliche Software zur Verfügung steht, um unsere Audio- und Videopodcasts herunterzuladen.”
Und weiter:
“Die ‘Participatory Culture Foundation’ freut sich, dass der NDR seine Inhalte über Miro anbietet”, so Dean Jansen (Direktor Öffentlichkeitsarbeit PCF). “Wir sind glücklich, den NDR Zuschauern bei der Entscheidung, wie sie NDR Programme sehen oder hören möchten, mehr Wahlmöglichkeiten geben zu können”, so Jansen weiter.
(Die PCF gibt den Player raus.)
Ich habe für das Dossier ein Interview mit Holmes Wilson (Gründer PCF) geführt. (Transparenzhinweis, zum gefühlten 47. Mal: Der NDR ist mein Arbeitgeber, ich war an dem Projekt beteiligt.) Holmes erklärt, warum die Mozilla Foundation Miro finanziell unterstützt:
Holmes Wilson: Mozilla und PCF haben einen ähnlichen Auftrag. Mit Firefox sorgt Mozilla dafür, dass das Internet frei zugänglich bleibt. Ein Browser ist schließlich das zentrale Fenster zum Netz, Firefox setzt auf freie Standards. Wir machen das gleiche für den Bereich Video. All unsere Anwendungen sind offen und frei. Miro ist wie Firefox - nur für Video.
Markus weist auf die schiefe Formulierung “nicht-kommerziell” in der Presse-Erklärung hin.
July 4th, 2008
Ahoi Polloi ist ein Comicblog, ein sehr gutes sogar. Jeden Tag gibt es einen neuen. Der vom 20. Juni gefällt mir sehr. Würde das Bild gerne einbinden. Es steht aber unter klassischem Urheberrecht, daher nur ein Link drauf.
Und wie so oft wünsche ich mir ein Zitatrecht für Bilder. Das Zitatrecht gilt ja leider nur für Text. Vielleicht kommt’s ja mal? Als sich das Urheberrecht entwickelt hat - 18. Jahrhundert - hatten wir eine textbasierte Kultur. Die Juristen haben daran gedacht, eine Schrankenbestimmung wie das Zitatrecht in die Paragraphen zu formulieren. Längst haben wir uns zu einer bilderhungrigen, visuellen Kultur entwickelt. Vielleicht schreiben fortschrittliche Juristen irgendwann mal - ich tippe auf das Jahr 2022 - ein Bilderzitatrecht ins Urheberrecht bzw. weiten es aus.
Bei der ersten re:publica habe ich übrigens Udo Vetter gefragt, wie er das mit dem Zitatrecht für Bilder sieht. Antwort: Doch, sowas wie ein Bilderzitatrecht gebe es. Eine andere anwesende Juristin verneinte kategorisch. Auf der re:publica 07 habe ich Till Jäger gefragt, der meinte: “Hängt vom Kontext ab.” Wen frage ich bloß nächstes Jahr?
June 24th, 2008
Das letzte Wochenende habe ich auf einem BarCamp, genauer gesagt dem IdentityCamp in Bremen verbracht. Das war eine ganz erstaunliche Veranstaltung. Ich hätte nicht gedacht, dass sowas wirklich funktioniert. Hier der Bericht, den ich für NDR Online geschrieben habe: IdentityCamp: Die Konferenz der Wissensteiler
Bestes Zitat stammt von Caspar Bowden: “Most people give away their data for a chocolate bar.” Der Mann muss es wissen, er ist bei Microsoft “Chief Privacy Advisor” für Europa, Nahost und Afrika.
June 9th, 2008
Die Helden meiner längst verflossenen Jugend, Weezer, huldigen in ihrem Video “Pork and Beans” viralen Internet-Clips. Super. Via.
(Video-Einbau zerschießt leider das Layout dieses Blogs, kümmere ich mich demnächst drum.)
May 25th, 2008

Beim spazieren gehen entdeckt. Es drängen sich folgende Fragen auf
1. Wie will die Kontrollfrau mit den Fingernägeln eine Tastatur bedienen?
2. Was ist in der Kindheit des Gestalters dieser Anzeige schief gelaufen?
3. Warum ist Überwachung so verteufelt billig?
Von der Webseite der Firma:
Offene und versteckte Kameras sorgen für mehr Sicherheit gegen Raubüberfall und Diebstahl. Im Kampf gegen potentielle Bedrohungen werden sie ebenso eingesetzt wie gegen unehrliche Mitarbeiter. Sie können leider Ihre Augen nicht überall haben, aber wir bieten Ihnen eine Lösung, dass Sie es „fasst” können”. Für weniger als den Preis für eine Tasse Kaffee am Tag können Sie Ihr Objekt absichern und bei Bedarf mal sich kurz über das Internet am PC oder mit dem Handy/PDA einwählen und sehen, was gerade los ist…
Gruselig. Übrigens, liebe Überwacher: “Fast” schreibt sich mit einem “s”.
May 18th, 2008
Die Nachricht über die Veröffentlichung der ARD Mediathek (Testversion) geistert seit einigen Tagen durchs Netz. Die Maus, der Elefant und der Armin erklären in diesem charmanten Video, wie sich das Portal bedienen lässt. (”Wortwolke” nehme ich in mein persönliches Internet-Erklär-Repertoire auf.) Ich persönlich bin ganz froh über die Orientierungshilfe… das mit der Übersichtlichkeit lösen die hoffentlich noch etwas eleganter. Die Hoffnung stirbt zuletzt.
Bildqualität ist gut. Dass je nach Sender und Format die Videos verschieden ausgespielt werden nicht.
Update 18.05.: Am letzten Donnerstag ist der Testversion-Vermerk verschwunden. Und diverse von mir geschaute Videos, die in den ersten Tagen noch in guter Qualität abrufbar waren, pixeln seitdem wischi-waschi vor sich hin.
May 13th, 2008
Helmut Kohl und SEINE Maike Richter lesen meinen Blog! Seit dem Ja-Wort in der Reha-Klinik (!) heißt sie Maike Kohl-Richter. OK, meine Vorstellungen lagen bei Maike Kohl, aber Doppelname, von mir aus. Vorgeschichte hier.
May 13th, 2008
Großbritannien besteht aus Kameras (Eigenwahrnehmung). Und, bringt’s was? Die Metropolitan Police sagt nein:
Det Ch Insp Mick Neville said the system was an “utter fiasco” - with only 3% of London’s street robberies being solved using security cameras.
Via Surveillance Studies.
May 6th, 2008
Das Freie Sender Kombinat (FSK), Hamburgs unabhängiges Radio, macht nicht nur Sendungen, sondern koordiniert und informiert auch immer anlässlich von größeren Demonstrationen. Früher lief das so: Vertrauenswürdige Leute vor Ort riefen live im Sender an und sagten, was auf der Demo passierte, Hörer zu Hause oder andere Demo-Teilnehmer, die ein Radio dabei hatten, wussten, was wo ging. Der Haken: Immer gab es zu wenige Radios, oft war der Empfang grässlich. Anlässlich der Gegendemo zum Naziaufmarsch in Barmbek am 1. Mai Demo hat FSK erstmals twitter eingesetzt.

Aus der Ankündigung auf der FSK-Webseite:
Das FSK probiert eine neue Struktur zur Verteilung von Nachrichten per SMS, Web und Instant Messaging aus!
Es ist bei bestimmten Anlässen einfach nicht möglich, über längere Zeit kontinuierlich Radio zu hören, während man z.B. auf einer Demo unterwegs ist. Dadurch verpasst zwangsläufig Informationen, wenn man gerade etwas zu besprechen hat, an einer lauten Kundgebung ist o.ä. Situationen.
Mit der neuen Struktur wollen wir - ergänzend zur üblichen Berichterstattung per Radio - die Möglichkeit bieten, wichtige Infos nicht zu verpassen!
Vergleichbar ist dieses Konzept am ehesten mit den von Indymedia bekannten “Breaking News”, die eine knappe Zusammenfassung der wichtigsten Ereignisse des Tages darstellen und eine Ergänzung zu Hintergrundberichten und längeren Artikeln sind.
Für DemoteilnehmerInnen wäre z.B. ein Empfang per SMS auf das Handy am sinnvollsten, während sich jemand mit Anschluss ans Internet vielleicht einfach eine Zusammenfassung der Geschehnisse der letzten zwei Stunden sucht.
Wünschenswert wäre, eine solche Verteilung von Nachrichten mit eigener Infrastuktur zu realisieren, momentan ist dies aufgrund hoher Kosten, die mit dem SMS-Versand verbunden sind aber nicht möglich. Wir werden deshalb zunächst für diesen Zweck einen Dienst im Internet benutzen, der relativ weite Verbreitung gefunden hat und akzeptiert wird, auch wenn diese Lösung zur Zeit nur ein Kompromiss ist.
Twitter (http://www.twitter.com) ist ein Dienst, bei der Teilnehmer kurze Mitteilungen (bis zu 140 Zeichen) hinterlassen können. Andere Personen können “gefollowed” werden, man kann damit deren Mitteilungen abonnieren und per Web, SMS oder Instant Messaging lesen. Klingt geeignet für unsere Vorstellungen…
Am 1. Mai werden wir diese Struktur zum ersten Mal umfangreich nutzen um aktuelle Infos zum Naziaufmarsch bzw. den Gegenaktivitäten zu veröffentlichen. Auch in Zukunft ist dies bei ähnlichen Aktionen oder spontanen Ereignissen denkbar.
Hier ist der twitter/FSK-feed. Das liest sich dann so:
Spontandemo von ca. 1000 Antifas zieht die Fuhlsbüttler Str Richtung Norde, höhe Hebebrand Str, relativ unbehelligt von der Pol. 04:11 PM May 01, 2008 from web
100 antifas auf dem gelände vom ak barmbek eingekesselt 04:03 PM May 01, 2008 from web
Fuhlsbüttler Str. in nördliche Richtung noch komplett frei, auf Höhe Feuerbergstr ist wohl ein Zugang auf den Rübenkamp möglich 03:59 PM May 01, 2008 from web
nazidemo befindet sich auf dem rübenkamp, höhe der jahnbrücke, richtung ohlsdorf unterwegs 03:44 PM May 01, 2008 from web
nazi-demo-spitze ist jetzt los gegangen, momentan rübenkamp 03:37 PM May 01, 2008 from web
Bündnisdemo mußte sich auf Druck von Polizei auflösen, Verabschiedung mit WaWe-Einsatz 03:23 PM May 01, 2008 from web
Ein Organisator erzählte mir, dass die Aktion ziemlich erfolgreich gelaufen ist. Über 360 Leute haben sich für den Dienst eingetragen. Die Initiatoren fühlten sich etwas unbehaglich, weil sie die Leute in die Arme von twitter getrieben haben. Ging aber nicht anders. Einen freien twitter-Dienst gibt es nicht. Und durch twitter haben sie um die 650 Euro SMS-Kosten gespart. Das Budget könnte FSK nicht aufbringen.
Fazit: Wohl den Aktivisten, die Nerds in ihren Reihen haben.
Wer noch nicht ganz durchschaut hat, was twitter ist, guckt sich das Erkärvideo bei commoncraft an oder fragt Wikipedia. Der Elektrische Reporter hat mal ein interessantes Interview mit dem Twitter-Mitgründer Biz Stone gemacht.
Ich bin am 1. Mai übrigens meinen kapitalistischen Neigungen nachgegangen und habe den Inhalt unseres Dachbodens verschärbelt. Jetzt bin ich reich und Flohmarkt-Königin.
Update: bei netzpolitik.org hat sich eine interessante Diskussion entfaltet.
May 5th, 2008